Zeitreise durch die SVH Geschichte: 1911-1920

"Haltet euren Club in Ehren, dass er blühe fort!"

Schwarzwaldmeister SVH 1912

Der stolze Schwarzwaldmeister 1912: Im Original standen folgende Namen unter dieser altehrwürdigen Momentaufnahme: Daubenberger (oben von links), Göhringer, Jung, Tritschler I. Vorstand, Andres, dann Häussel (Mitte von links), Maus, Sahl, Meucht, Lenz II. Vorstand und schließlich Nopper (unten von links), Schreiber, Bloch.

Von wegen „gute, alte Zeiten“! Oder was soll gut daran sein, dass der Fußball, der heutige König unter den Leibesübungen nicht nur in Deutschland, anno 1911 als verpöntes Stiefkind galt. Allen voran Josef Tritschler wollte diesem Schattendasein in Haslach ein Ende bereiten. Der Postassistent, in der Festpostille des SVH zum 50. Geburtstag als „Einberufer“ bezeichnet, wusste im November bei der Vereinstaufe im „Europäischen Hof“ mit Max Bloch, Hermann Göhringer, Otto Haser, Karl Maus, Paul Walther, Hermann Weber und Josef Zimmermann weitere Überzeugte hinter sich, für die zudem eines wie Öl ins Feuer wirkte: Vereinsgründungen dieser Sportart in Villingen, Konstanz, Singen, Triberg und im nahen Hornberg. Der Sportverein Haslach sollte viel(e) bewegen. Was – so steht es zumindest geschrieben – gleich am Anfang zu viel des Guten war.               

Denn als an diesem denkwürdigen Abend das erste Haslacher „Hipp-Hipp-Hurra“ des Vorsitzenden Tritschler angestimmt wurde, bebte just in diesem Moment die Erde. Dieses „große süddeutsche Erdbeben vom 16. November 1911“, wie es in der Literatur heißt, schreckte natürlich auch die acht SVH-Gründungs­mitglieder. Doch als die jungen Kniegelenke nicht mehr zitterten, wertete Tritschler dieses Beben als „gutes Omen für eine ungewöhnlich glänzende Zukunft des Fußballsportvereins 1911.“ Bereits ein Jahr später setzte der Sportverein aus der Hansjakobstadt ein erstes sportliches Ausrufezeichen. In der ebenfalls noch jungen „Schwarzwälder Fußballvereinigung feierte der SVH mit dem 3:1 gegen Donau­­eschingen Pokalsieg Nummer eins. Und den Pott stemmte fast der komplette Vorstand höchstselbst nach oben, da dessen Mitglieder zugleich die Kickschuhe schnürten.               
Die Lust, selbst in einer Vereinsmannschaft zu kicken, war eben die größte Motivation. Das Jahr 1912 brachte zudem den ersten Wandel mit sich. Aus der zwar erfolgreichen, aber doch offenbar wilden Kickerei entwickelte sich ein planvolles Spiel – dank Alfred Hirsch. Jener Zeitgenosse kam als Lehrer ins benachbarte Steinach, liebte den Fußball über alles, schloss sich den Schwarzweißen an und trat als ordnende Hand auf. Eine Spielkultur, die ansteckend wirkte. Der SVH meldete eine zweite Mannschaft an. Ein Aufschwung, der indes 1914 abstürzte, geschuldet dem Ersten Weltkrieg.           

Erst am 8. Februar 1919 erfolgte der Neustart des SVH mit Otto Haser als neuem Vorsitzenden und einem beträchtlich erschwerten Spiel­betrieb. Schließlich ver­kehrten damals nur zwei Züge am Tag. Zum Zug kamen aber wieder die sportlichen Qualitäten der Hansjakobstädter, was der Bezirksmeistertitel nach einem Sieg gegen den FC Konstanz III doku­mentiert. Grundlegend für eine weitere positive Entwicklung war jedoch eine neue Sport­anlage.            

Das Spielfeld am „Archen­bach“ stieß auch bei den gegnerischen Teams auf wenig Gegenliebe. Und dies aus drei Gründen: zu kurz, zu schmal und ein Telegrafenmast nahe des Anstoß­punktes. Ein Gelände im „Weiherfeld“ betrachteten die Verantwortlichen als ideal, nur gehörte es den Fürstenbergern. Und dem SVH fehlte es am nötigen Kleingeld. Daher schnappte die Stadt dem Verein das Gelände vor der Nase weg, doch im November 1919 entschied der Gemeinderat, das Neu­land für sportliche Zwecke zu nutzen – und zwar in erster Linie für den Fußball. Ein untrügliches Zeichen, dass die einstige Randsportart längst salonfähig war. Selbstbewusst spuckten die Mit­glieder des SVH kräftig in die Hände, was bereits im Spieljahr 1919/20 den Großteil der Heimspiele an neuer Stätte ermöglichte – ohne Klagen und ohne Telegrafenmasten, dafür mit Erfolgen in der Fremde. Der denkwürdige Sieg im Ent­scheidungsspiel in Villingen gegen St. Georgen bescherte die Bezirks­meisterschaft, die vergoldet wurde durch den Aufstieg in die A-Klasse, nachdem diesmal Radolfzell den Kürzeren gezogen hatte.             
Das „Hipp-Hipp-Hurra“ ertönte noch lauter, ohne dass jedoch die Erde bebte. Und mit Fabrikant Eugen Krämer als neuer Vorsitzender steuerte der SVH ins zweite Jahr­zehnt seines Daseins. Ob damals im Geiste bereits der berühmte Vers der SVH-Hymne mitschwang: "Haltet Euren Club in Ehren, daß er blühe fort"!                

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