Zeitreise durch die SVH Geschichte: 1961 -1970

"Meisterhafte Jahre mit Ausflug in Südbadens Oberhaus"

Vorstandschaft 1961 beim 50-jähriges Jubiläum

Mit einer Amtszeit von 13 Jahren steht Josef Obert nach Bernd Eisenmann an zweiter Stelle unter den Dauerbrennern der SVH-Vorsitzenden. Mit den Nachkriegsjahren und als Nachfolger von Ehrenmitglied Eugen Krämer kam dem Kaufmann eine besondere Aufgabe zu: der Neustart des SV Haslach. Und Obert durfte auch das große Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen organisieren. Das Hauptspiel bestritten am 23. Juli der Freiburger FC und der VfB Stuttgart. „Fünf Jahrzehnte Fußball in Haslach“, schrieb Obert in der von ihm konzipierten Jubiläumsschrift, „sind gewiss ein Grund, ein großes Jubiläum zu feiern.“ Der einsatzfreudige Obert gab indes zu bedenken, dass dem Verein „leider wertvolle Schriftstücke bei der Beschlagnahme des Clubhauses 1944 verloren gingen.“ Eine Tatsache, die sich auch auf das Produzieren dieses Magazins zum 100. Geburtstag auswirkte. Eine andere Tatsache erhält auch anno 2011 einen gebührenden Platz: der Aufstieg in die höchste Amateurklasse, in die I. Amateurliga Südbaden, ausgerechnet im Jahr des 50. Vereins­ge­burtstags. „Durch knochenhartes Training und einer gesunden Kameradschaft“ unter Regie von Trainer Hans Büchner vom Freiburger FC und mit großem Einsatz auch vom Spielausschussvorsitzenden Hubert Olbrich. Dem SVH kam zu Gute, dass erstmals keine Aufstiegsrunde mehr angesetzt war, der Meister also direkt in Südbadens Oberhaus aufstieg. Dafür verlief das Saisonfinale um die Meisterschaft in der II. Amateurliga umso dramatischer. Denn am letzten Spieltag reiste der Tabellenführer SV Haslach zum schärfsten Verfolger SV Sinzheim. Der SVH führte bis zur 35. Minute mit 2:1, musste dann aber durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Heinz Herrmann und Milan Strach zu neunt weiterspielen, da damals nicht während des Spiels gewechselt werden durfte. So kam es, wie es kommen musste: Mit einem frustrierenden 2:4 mussten die Kinzigtäler die Heimreise antreten. Im Gepäck war jedoch auch die Hoffnung, dass die Sinzheimer in ihrem letzten Saisonspiel doch noch patzen und damit den SVH doch nicht auf der Ziellinie überholen könnten. In der Tat zeigte der SVS in Gernsbach Nerven, kam über ein 2:2 im Murgtal nicht hinaus und ließ in Haslach im übertragenen Sinne die Sektkorken knallen. „Eine Meisterfeier, wie sie heutzutage selbst in unteren Klassen üblich ist, gab es aber eigentlich nicht“, denkt Herbert Kornmaier zurück, der zu jener Elf zählte, die eine Saison später gegen den SC Freiburg, Offenburger FV und andere Größen ran durfte. Und der heute 70-Jährige dreht die Uhr um weitere zehn Jahre zurück, wo durchaus eine Keimzelle für den späteren größten SVH-Erfolg zu finden sei. „1952 existierte nur eine A-Jugend, doch wir wollten auch eine Schüler-Mannschaft“, erzählt der gelernte Bäcker und Kaufmann, der als Fußballer den Ball streichelte wie kaum ein anderer in jener Zeit. Seine Freunde und er verlegten das Kicken von den Straßen im einst ziemlich autofreien Städtle auf den Sportplatz. „Wir brauchten aber vor allem Bälle, hatten aber kein Geld“, schmunzelt der zweifache Vater und sechsfache Opa, „jeder von uns brachte fünf oder zehn Pfennig ein, bis wir uns bei Sport Kienzler einen goldgelben Ball für 23 Mark kaufen konnten. Und mit Herr Butschkus fanden wir einen Erwachsenen, der uns unterstützte, in seiner Küche war auch die Versammlung für die Gründung unseres Schülerteams.“ Die 13 Jugendlichen feierten dann 1953 ihre offizielle Premiere. Was heißt feierten? „Gegen Schiltach hatten wir beim 0:9 keine Chance“, schüttelt Kornmaier den Kopf, „ein paar Wochen später gewannen wir aber gegen Nordrach 3:2.“ Und 1956 wurde eine SVH-B-Jugend gegründet. Der Unterbau bildete sich mehr und mehr. Und mit Jugendleiter Hans Matt war ein exzellenter Mann an der wichtigen Stelle am Werk. Matt feierte 1952 unter anderem die Staffelmeisterschaft, und diese positive Entwicklung gipfelte im besagten Aufstieg. Der Vorsitzende Obert dankte allen Beteiligten, „die unter Rückstellung aller privaten Interessen aus Liebe zum Sport und zum Verein Opfer auf sich genommen haben, die nun ihren verdienten Lohn in der Erringung der Meisterschaft gefunden haben.“

Das Abenteuer dauerte allerdings nur eine Saison. „Unser schönster Sieg war sicherlich das 6:2 beim SC Freiburg“, sagt Herbert Kornmaier, kurz „Korsche“ genannt und von 18 bis 28 Jahren in der Ersten des SVH am Ball, „wobei damals der FFC die Nummer eins in Freiburg darstellte.“ Auch der 2:1-Erfolg beim späteren Meister SC Baden-Baden sei besonders gewesen. Mit Horst Wieber holte der SVH für die Amateurliga einen neuen Torwart vom Lahrer FV. Wieber und seine Ehefrau sollten Jahrzehnte den Kinzigtälern eng verbunden bleiben. „Unser Trainer Hans Büchner war übrigens ein Vorbild in jeder Beziehung“, lobt Kornmaier, „auch wenn er uns gestriezt hat, zum Beispiel mit zehn Stadionrunden beim Warmlaufen vor dem Spiel.“ Umso bitterer, dass das Punktekonto von 19:41 nicht für den Klassenerhalt ausreichte, was zuvor immer gereicht hatte.
Als Trostpflaster schaffte die zweite Mannschaft des SVH den Aufstieg in die A-Klasse, der heutigen Bezirksliga. Was die sportliche Qualität der Hansjakobstädter in den 1950er- und 1960er-Jahren unterstreicht, an die sich mit „Meister“ Helmut Hättich und „Bomber“ Werner Matt zwei Akteure heute noch gerne erinnern. Eine weitere feste Größe in dieser Ära heißt Alois Asberger. Geboren in Rastatt bei Odessa/Ukraine, kam er mit seinem Bruder Rudolf via Polen und der Lüneburger Heide in den Schwarzwald, ins Kinzigtal. Beim SVH fasste er Fuß mit seinen Qualitäten am Ball, in der I. Amateurliga hatte er seinen Stammplatz auf Halblinks, was der Trikotnummer 10 entsprach. „Die ganze Zeit beim SVH war toll“, schwärmt Alois Asberger und möchte da gar nicht so sehr dieses eine Jahr herausheben. „Besonders war aber, dass es bei den Spielen in der Saison 1961/62 Schiedsrichter-Gespanne gab“, sagt der heute 77-Jährige, „deshalb musste man sich nicht so viel ärgern.“ Ein indirektes Lob für die Männer in Schwarz, „mit denen auch nicht diskutiert wurde“, so Asberger.
Nach dem Abenteuerjahr in der I. Amateurliga blieb die II. Amateurliga die sportliche Heimat der Hansjakobstädter, bis in der Saison 1969/70 ein kurioses Finale den Abstieg in die A-Klasse bedeutete. „Unser damaliger Vorsitzender Krämer trat wie ein Weltmeister auf und hatte überall Beziehungen“, erzählt Hans Gutmann, der zu den Jungfüchsen in der Ersten gehörte, die von Ernst Höfler, „dem Rahn von Haslach“, schon mal auf dem Spielfeld einen in den Allerwertesten zum Aufrütteln bekamen, wenn die Leistung nicht stimmte. „Jedenfalls hieß es, dass in Ötigheim nichts schiefgehen könnte, weil Herr Krämer einen Pfarrer kennt, der wiederum den Pfarrer in Ötigheim kennt.“ Und als es nach einer Viertelstunde dann 3:0 für den SVH stand, „fühlten wir uns nicht nur wegen dieses Vorsprungs sicher“, sagt Hans Gutmann in Anspielung an die Pfarrer-Beziehungen. „Doch dann war der Ötigheimer Nold, vielleicht der beste Stürmer in der damaligen Liga, nicht mehr zu halten, schoss vier Tore, wir verloren 5:7 und waren weg vom Fenster“, ergänzt Rainer Gutmann, der vier Jahre ältere Bruder von Hans und bekannte Dribbler mit dem präzisen Linksschuss. Der geistliche Vorschuss hingegen ging eindeutig nach hinten los. Rainer Gutmann kehrte nach aktiven Jahren beim VfR Elgersweier sowie Trainerstationen beim SV Steinach, FC Wolfach und SV Oberharmersbach als Coach zum SV Haslach zurück und ist noch heute in der AH zuverlässig am Ball. Hans Gutmann, der beim VfR Elgersweier, SV Hausach, SV Oberharmersbach spielte sowie als Trainer beim Lahrer FV, bei der Spielvereinigung Schiltach und beim ASV Nordrach im Einsatz war, unterstreicht ebenfalls die Verbundenheit zum SVH, die auch durch Vereinswechsel nicht abreißt. Und Rainer Gutmann blickt nochmals weit zurück, als er mit 17 als Linksaußen in der Ersten seines Heimatvereins ran durfte: »Da hast du spuren müssen, und der exzellente Trainer Hans Büchner sagte mal lächelnd zu mir: Bub, du bist ein Christkindle.«                
Nie spielte also der SV Haslach derart hochklassig wie anno 1961/62. Auch wenn es nur ein einjähriges Intermezzo im südbadischen Fußball-Oberhaus war, gebührt dafür reichlich Respekt. Und schließlich wurde der SVH nicht zum Tasmania der Region, sondern heimste 19 von 60 möglichen Punkten ein. Sieben Punkte fehlten indes in dieser ausgeglichen stark besetzten Liga, in der der heutige Bundesligist SC Freiburg nur auf Rang 7 landete. Damals hatte der FFC die souveräne Führungsrolle im Freiburger Fußball. Rang sechs sprang für die Mösle-Fußballer in der 2. Bundesliga Süd heraus, also eine Klasse über dem Stadtrivalen von der Dreisam. Will heißen: Der SVH spielte eine Saison in der dritthöchsten Liga der Republik.

Der damalige Meister SC Baden-Baden, der seit Jahrzehnten im Niemandsland des Kreises kickt, verpasste übrigens den Aufstieg in eben jene 2. Liga denkbar knapp. In der Vierer-Aufstiegsrunde blieben die Kurstädter bei 8:4 Zählern ein Pünktchen hinter dem VfR Heilbronn.

Übrigens setzten sich 1961/62 in den drei 2. Amateurligen der FC Phönix Durmersheim vor dem FV Kappelrodeck, wo heute Fußball kaum eine Bedeutung hat, die Amateure des Freiburger FC (mit 115 geschossenen Toren) und der FV St. Georgen durch. In der A-Klasse Offenburg feierte der VfR Elgersweier mit 47:13 Punkten knapp vor der Spielvereinigung Schiltach die Meisterschaft. Und ganz oben floss Kölsch ohne Ende, wurde der 1.FC Köln doch Deutscher Meister.

Verwunderlich bleibt, dass nirgends ein Foto mit der SVH-Mannschaft jener denkwürdigen Saison aufzutreiben war. Wobei natürlich etliche Spieler des Meisterteams von 1960/61 auch in der I. Amateurliga am Ball blieben.

Aufsteiger in die I. Amateurliga Südbaden 1960/61
Aufsteiger in die I. Amateurliga Südbaden 1960/61

Die Meistermannschaft des SVH, die 1960/61 den größten Erfolg der 100-jährigen Vereinsgeschichte vollbrachte: die Aufsteiger in die I. Amateurliga Südbaden Wilfried Brohammer (hinten von links), Albert Giesler aus Hofstetten, Heinz Herrmann, Milan Strach aus Steinach, Werner Thoma, Rolf Hock, Trainer Hans Büchner sowie Herbert Kornmaier (unten von links), Gustav Vollmer, Gustav Brosmer aus Hofstetten, Alois Asberger und Hermann Kern.          

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